Michel Aloui,

Michel Aloui

Michel Aloui, Jahrgang 1964, Studium bwl und Philosophie, Examen 1992 in Köln, gründete nach Jahren in Sibirien und Russland 2004 die brandstiftung. Seit 2008 ist Michel Aloui Gesellschafter des Genisis Instituts für Social Business und Impact Strategien. Anfang 2010 wurde das social lab eine Bildungskette in Köln gegründet. Unterstützt wird das social lab von der brandstiftung.

Die Aufgabe der branstiftung besteht darin, die Ideen und Erfahrungen bestehender social entrepreneur Initiativen zu sammeln und besonders viel versprechende Projekte untereinander zu vernetzen und zu unterstützen. Unser Ziel ist es, social entrepreneurs mit ähnlichen Themen zusammenzubringen, so dass sie ihre Erfahrungen austauschen können.

Wie sieht das Engagement im Einzelnen aus?

Michel Aloui sagt, wir tun, was wir tun, weil es an der Zeit ist, sich nicht mehr den Gegebenheiten zu beugen, weil die Zeit vorbei ist, über die bestehenden Zustände zu jammern, die vermeintlichen Unzulänglichkeiten des Gemeinwesens zu beklagen und sich in Politiker – bashing zu ergehen. Vieles ist richtig, aber wenig davon ist wirklich relevant für unser Leben und den Wunsch, dieses Leben nachhaltig zu bereichern, unser eigenes und das der Anderen. Wozu besitzt man denn Freiheit, wenn man sie nicht nutzt? Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen.

Überall im Land gehen freie Bürger hin und handeln angesichts bestehender Probleme, sie schließen sich zusammen, sie organisieren sich und gründen z.b. selbst eine Schule statt über die bestehenden zu klagen.

Wir holen im Rahmen des in 2010 gegründeten social labs, die besten Bildungsprojekte in unsere Stadt nach Köln. An einigen Stellen unserer Stadt gibt es ein Kunstprojekt auch gleichzeitig als eine Werbung zu verstehen, mehrere Meter breit und vollkommen unübersehbar: „Liebe deine Stadt!“ genau darum geht es, diese Liebe zu manifestieren, zu materialisieren, aber nicht durch noch ein Bürogebäude, sondern durch innovative, kreative neue Zellen, die Impulse schaffen und das Gemein-wesen nach vorne bringen.

Ein weiteres starkes Motiv für mich ist der Umgang mit sehr engagierten und klaren Menschen, die mutig, kreativ und unternehmerisch sind. Aus gutem Grund sagt man, die social entrepreneurs seien eine, wenn nicht die kreative Klasse von heute, die Avantgarde. sie übernehmen somit eine Funktion, die früher die Künstler, allen voran die Maler übernommen haben. Sie betreiben Aufklärung und schaffen Ansätze, um die Gruppen am Rande der Gesellschaft, seien es Behinderte, Migranten, Menschen ohne Qualifikationen, aufzufangen und ein Stück weit ins Leben zurück-zubringen.

Weder Mode noch Malerei sind noch in der Lage, Akzente zu setzen, zu sehr sind viele bereits verquickt mit dem Kapital, dem Konsum und der Konsumsymbolik. Der Umgang mit diesen social entreprenerus wie z.b. Friedrich Kiesinger, Murat Vural, Nobert Kunz und Sibylle Wanders ist für mich sehr inspirierend. Ich lerne viel und fühle mich dabei sehr wohl, was früher im Kapitalmarktgeschäft nicht so war. Schön ist, dass ich immer besser erkenne, dass ich eine Aufgabe gefunden habe, wo meine Kompetenzen & Erfahrungen auf meine Neigungen treffen, eigentlich ein Idealzustand.

Immer wieder wurde ich gefragt: Geht es dir (auch) darum, Geld zu verdienen? Es ist an der Zeit, auch in dieser Frage eine klare Haltung einzunehmen: Ich habe und ich hatte nie etwas dagegen, Geld zu verdienen und doch hatte ich lange nicht die Absicht, es genau hier zu tun. Beides zu kombinieren, schien mir nicht passend. Als ich vor ca. 7 Jahren damit begann, mich im Rahmen der brandstiftung mit Bildung und sozialen Projekten zu beschäftigen, war mein Motiv im Kern, etwas zurückzugeben. Ich habe viel eigenes Geld in die Hand genommen und in konkrete Projekte, aber auch die Gründung sozialer Institutionen (wie die brandstiftung, Genisis, den Wertedialog, das social lab) investiert. sehr lange habe ich nicht einmal über Geld nachgedacht. Das ändert sich jetzt langsam. Die Zeit der Spenden ist vorbei. Immer mehr erkenne ich, dass ich mich in einem immer höheren Maße engagiere, was dazu führt, dass ich früher oder später auch damit Geld verdienen möchte. Somit ist die Absicht oder besser gesagt die Option, Geld zu verdienen erst nach vielen Jahren dazu gekommen. Nach wie vor verdiene ich mein Geld mit meinen Beteiligungen.

Wie geht es weiter?

Das glück, meine zwei große Neigungen: die Liebe zu meiner Stadt und die Begeisterung für die  social entrepreneurs durch das social lab in Einklang zu bringen. Sobald die Bildungskette des social labs komplett ist, wird zu prüfen sein, ob es Sinn macht, dort weitere spannende soziale Intitiativen anzudocken, um die Bildungskette herum, ein kreatives Cluster wachsen zu lassen. Dann wird es vielleicht auch weitere Bildungslabs in anderen Städten geben, aber auch zu anderen wie z.b.: Ausbildung oder Menschen mit Behinderungen.

Aus der Bildungskette wiederum entstehen die sogenannten Subketten, kleinere Cluster von social entrepreneurs, die in kleinen Gruppen an ganz konkreten gesellschaftlichen Themen arbeiten, sei es dem Azubimangel, sei es dem dramatisch wachsenden Mangel an MINT, sei es an der gesellschaftlich überragend wichtigen Aufgabe der Integration von Migranten etc..